Tipps gegen Gewalt

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Mobbing

Hast du schon erlebt, dass jemand (oder Du) in der Schule, am Arbeitsplatz, im Verein oder wo anders, vielleicht auch im Internet, über längere Zeit regelmässig beleidigt, schikaniert, gequält oder ausgegrenzt wurde? Das ist Mobbing.

Mobbing geschieht, wenn Jugendliche oder Erwachsene in einer Gruppe immer wieder ihre Macht ausspielen oder Spass daran haben, andere fertig zu machen. Lehrer/-innen, Vorgesetzte oder Gruppenleiter/-innen merken oft lange nichts.

Ratschläge

Wenn du Opfer von Mobbing bist, hast du wahrscheinlich nicht die Kraft, dich zu wehren oder den Eindruck, dass niemand auf deiner Seite ist. Das stimmt aber nicht: Rufe die Nummer 147 und schildere deine Situation, um Hilfe zu bekommen.

Du kannst das Problem auch mit der Schulsozialarbeit besprechen oder eine vertrauenswürdige Lehrperson darauf aufmerksam machen. Bei Beratungsstellen in deiner Nähe findest du Erwachsene, die mit diesen Schwierigkeiten vertraut sind, und dich unterstützen können, aus der Mobbingspirale herauszukommen.

Suche in deiner Gruppe Kolleginnen und Kollegen, die auch daneben finden, was die Täter/-innen tun und fordert sie gemeinsam auf, mit den Angriffen aufzuhören (Zivilcourage).

Merkmale von Mobbing

Mobbing-Situationen haben drei Merkmale:

  1. Die Angriffe sind beabsichtigt und geschehen häufig, d.h. wöchentlich oder sogar täglich.
  2. Sie geschehen über mehrere Monate oder länger.
  3. Das Opfer kann sich aus eigener Kraft nicht wehren, weil Täter/-innen viel stärker oder in der Überzahl sind.

Wenn niemand wirksam eingreift, werden die Angriffe immer fieser und brutaler. Mobbing ist ansteckend: Je länger die Schikanen dauern, desto mehr Gruppenmitglieder beteiligen sich daran.

Dem Opfer geht es immer schlechter. Es schämt sich, fühlt sich völlig ausgeliefert, ist verzweifelt und wird oft krank. Sein Selbstwertgefühl ist stark angeschlagen, manchmal auch nach Jahren. Daher gilt es: Im Fall von "Mobbing" muss man dagegen handeln!

Markus und Gabi

Wie Mobbing aussieht und welche Auswirkungen es hat, zeigen die Geschichten von Markus (14) und Gabi (15). 

Markus besucht die 2. Klasse der Realschule. Seit Wochen sind seine Kleider beschmutzt, wenn er von der Schule nach Hause kommt. Einmal waren sie sogar zerrissen. Wenn die Mutter nachfragt, weicht Markus aus und erzählt von Missgeschicken oder kleinen Raufereien. Gegenüber den Eltern ist Markus sehr aufbrausend. Auch auf seine Geschwister reagiert er ungewohnt heftig und aggressiv. Früher war er fröhlich, unbeschwert und spontan gewesen. Nun ist er mürrisch, jähzornig und verschlossen. Niemand kann sich das erklären. Als dann auch das Semesterzeugnis extrem schlecht ausfällt, wird den Eltern klar, dass mit ihrem Sohn etwas nicht stimmt. Im Gespräch mit der Lehrerin erfahren sie, dass Markus von fünf Schülern aus einer anderen Klasse immer wieder angegriffen wird. 

Gabi ist mit Abstand die Beste in der Jugendriege. Julia hasst sie deswegen und hetzt die anderen Mädchen gegen Gabi auf. So ist sie meistens allein. Bald hat Gabi Geburtstag. Sie lädt ihre Kolleginnen aus der Riege zu einer Party ein. Zu ihrer Überraschung haben alle zugesagt. Voll Vorfreude trifft Gabi die Vorbereitungen und hofft, dass sich jetzt das Verhältnis mit den Kolleginnen verbessert. Am Geburtstag ist zur vereinbarten Zeit noch niemand da, auch eine Viertelstunde, eine halbe Stunde später nicht. Gabi wartet vergeblich auf ihre Gäste. Niemand erscheint! Gabi ist sehr verletzt und traurig. In der nächsten Jugistunde weichen ihr alle Kolleginnen aus. Julia lächelt sie hämisch an. Alle beobachten Gabi aus den Augenwinkeln, schauen sie schräg an und tuscheln miteinander. Gabi getraut sich natürlich nicht, die Gemeinheit anzusprechen.

Betroffen ist die ganze Gruppe

Oft gibt es in der Gruppe einen / eine Anführer/-inEr/ Sie hat eine starke Position in der Gruppe und Einfluss auf andere. Manche Anführer/-innen halten sich im Hintergrund und lassen andere die Angriffe ausführen. 

Mitläufer/-innen fühlen sich erst stark, wenn sie zu den „Freunden“ eines Anführers, einer Anführerin gehören. Dafür sind sie manchmal zu jeder Gemeinheit bereit.

Zuschauer/-innen: Der Grossteil der Gruppe schaut einfach zu. Niemand getraut sich, für das Opfer Partei zu ergreifen und Täter/-innen zu stoppen. Die meisten haben Angst, selber zum Ziel von Angriffen zu werden. Irgendwann ist es fast „normal“, dass das Opfer schikaniert wird und eigentlich würde man es am liebsten los werden.

Mobbing-Opfer kann jede und jeder Jugendliche werden. Manchmal ist ein körperliches Merkmal, ein spezielles Verhalten der Auslöser von ersten Angriffen, machmal eine aussergewönliche Fähigkeit oder die Herkunft und oft ist es einfach „Zufall“.

Gemobbt wird auf unterschiedlichste Art. 

Angriffe auf die Möglichkeit, sich mitzuteilen:

  • Jemanden nicht zu Wort kommen lassen ("Deine Meinung ist nicht gefragt ...")
  • Eine Kollegin / einen Kollegen und ihr/sein Anliegen nicht ernst nehmen ("Was du denkst interessiert doch niemanden ...")
  • Jemandem dauernd ins Wort fallen, ihn/sie nicht ausreden lassen
  • Sich beim Reden abwenden, Zeichen machen, die Augen verdrehen
  • Andeutungen oder Unterstellungen machen
  • Geheimnisse verraten, die ihnen anvertraut wurden
  • Schadenfreudig lachen, wenn ein Missgeschick passiert

Angriffe auf Beziehungen

  • Hinter dem Rücken von jemandem schlecht reden
  • Kameraden, die sich mit dem Opfer solidarisieren, unter Druck setzen
  • Andere Jugendliche zu aggressiven Taten gegen das Opfer aufhetzen
  • Pseudowahrheiten oder Peinlichkeiten verbreiten, in die Klasse tragen
  • Ausschluss aus Gruppen
  • Ausschluss von Anlässen: Partys, Spielen, Gruppenarbeiten etc.

Angriffe auf das Ansehen in der Gruppe

  • Hinter dem Rücken von jemandem schlecht reden
  • Vor andern lächerlich machen
  • Bloss stellen
  • Falsche Gerüchte verbreiten
  • Über das Aussehen spotten: Nase, Frisur, Brille, Figur u.a.
  • Dummheit unterstellen
  • Peinlichkeiten verbreiten

Angriffe auf Körper und Gesundheit

  • Körperliche Übergriffe: stossen, schlagen, kneifen, treten, Bein stellen, tätscheln, streicheln
  • Verletzungen zufügen
  • Sexuelle Übergriffe
Patronat
Quelle/n
Autor/-in
Haennes Kunz
Revisor/-in
Stefan Christen / Jürg Engler

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